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Europäisches Jugendtreffen Mailand 1998/1999 
Über 100 000 Jugendliche aus ganz Europa zum gemeinsamen Gebet versammelt - das konnte man zum Jahreswechsel in der
italienischen Metropole Mailand erleben. Schon zum 21. Mal hatte die Communauté de Taizé, eine Ordensgemeinschaft aus
Südburgund, zu einem Europäischen Jugendtreffen eingeladen, und die Bevölkerung der lombardischen Hauptstadt empfing die
jungen Menschen, die zu nahezu allen Konfessionen und europäischen Nationen zählten, mit offenen Armen. UN-Generalsekretär
Kofi Annan, Papst Johannes Paul II., die Patriarchen von Moskau und Konstantinopel und der Erzbischof von Canterbury
sandten Grußbotschaften an Frère Roger, den Gründer von Taizé, und die tausenden Teilnehmer des Treffens, das die Brüder
aus Taizé als eine weitere Etappe auf dem "Pilgerweg des Vertauens auf der Erde" sehen. Der Erzbischof von Mailand,
Kardinal Martini, war persönlich zugegen, und zum Beginn des ersten gemeinsamen Gebetes in der "Fiera Milano"
läuteten sämtliche Glocken der Stadt.
Der Mailänder Dom
Gemeinsam mit 84 jungen Menschen aus dem Münsterland kam ich am Morgen des 28. Dezember mit dem Bus in der italienischen
Großstadt an, wo wir zunächst einmal auf verschiedene Gemeinden in Mailand und Umgebung verteilt wurden. Uns verschlug es,
zusammen mit Jugendlichen aus Polen, Slowenien, Portugal und der Schweiz, in das urige Dörfchen San Bovio, etwa eine Stunde
vom Stadtzentrum entfernt, wo uns die Italiener offenherzig gleich mit einer großen Portion Pasta empfingen. Dann wurden
wir auf die Unterkünfte verteilt, wobei achtzig Prozent der Teilnehmer in Familien aufgenommen wurden, der Rest bekam
Schlafplätze in Schulen oder Pfarrhäusern.
Jeder Tag begann mit einem Morgengebet in den Gastgemeinden, danach fuhr man mit Bussen und Bahnen zur Fiera, wo das
Mittagessen stattfand. Zwar mußte man für eine Mahlzeit verständlichweise relativ lange anstehen, aber trotzdem war
schon durch diese Geste des gemeinsamen Mahls, das man zusammen mit zigtausenden Ost- und Westeuropäern auf dem Boden
sitzend einnahm, ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu spüren. Schnell kamen wir mit den anderen über das recht bescheidene,
aber doch sättigende Essen ins Gespräch. Nur wenige zogen dieser gemeinsamen Mahlzeit einen Besuch im Fast-Food-Restaurant vor,
fast alle stellten sich mittags und abends geduldig in die langen "Essensschlangen" und vertrieben sich mit Musik und Gesang
die Wartezeit.
Beim Gebet in den Messehallen
Nach dem Essen fanden sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann in mehreren riesigen Messehallen zum gemeinsamen Gebet
zusammen. Orthodoxe, Katholiken und Protestanten erlebten mit den meditativen und einprägsamen Taizé-Gesängen in vielen
Sprachen Gemeinschaft, hatten Gelegenheit, über ihren Glauben nachzudenken oder sich nachmittags darüber mit Menschen aus
anderen Länderen auszutauschen. In Mailand wurde kein Unterschied zwischen Konfessionen und Nationalitäten gemacht. Über
100 000 Jugendliche, darunter beispielsweise knapp 7000 aus allen Teilen des ehemaligen Jugoslawien und etwa 9000 aus der
ehemaligen Sowjetunion, bewiesen, daß ein friedliches Miteinander möglich ist. Aus Polen waren - zum Teil in eigens eingesetzen
Sonderzügen - über 30 000 Jugendliche gekommen, aber auch Finnland und sogar die Mongolei war vertreten.
Die multikulturelle Gemeinschaft erlebte man auch recht intensiv in den zu gewissen Zeiten absolut überfüllten öffentlichen
Verkehrsmitteln. Fast immer waren portugiesische Pfadfindergesänge oder slowenische Volkslieder zu hören und brachten in
die Anonymität der Metro ein Gefühl der Gemeinschaft.
Am Silvesterabend feierten wir dann in unseren Gastgemeinden zusammen mit den Italienern ein internationales Nachtgebet.
Nachdem man auf das neue Jahr angestoßen hatte, präsentierten alle Anwesenden in einem "Fest der Nationen" ein typisches
Lied oder einen Tanz aus ihrem Heimatland, bis spät in die Nacht wurde dann gemeinsam gefeiert.
Am nächsten Tag waren alle Jugendlichen nach dem Neujahrsgottesdienst von Familien zu einem Mittagessen eingeladen, wo
wir wieder einmal von der Gastfreundschaft der Italiener überwältigt wurden: In einen siebengängigen Menü bekamen
wir Spezialitäten aus fast jeder Region Italiens gereicht. Der Abschied am Nachmittag fiel uns schwer, doch unsere
Gastgeber hatten sich noch eine weitere Überraschung ausgedacht: Jeder der Gäste San Bovios bekam einen Gutschein für
einen dreitägigen Aufenthalt bei einer Familie des Ortes. Diesen werden wir sicherlich irgendwann noch einlösen.
Eines der Lieder, das mich besonders an dieses Taizé-Treffen erinnert, ist:
"Tu sei sorgente viva,
Tu sei fuoco, sei carità.
Vieni Spirito Santo,
vieni Spirito Santo."
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